Für jeden Dirigenten, Opernsänger
oder Orchestermusiker ist es eine Ehre in der Metropolitan
Opera in New York auftreten zu dürfen. Das umgangssprachlich
einfach Met genannte Opernhaus gehört neben
der Wiener Staatsoper und der Mailänder Scala
zu den Top Drei-Opernhäusern der Welt. Das konnte
zur Eröffnung noch niemand ahnen. Das ursprüngliche
Gebäude wurde von reichen Geschäftsleuten
am Broadway erbaut, die ihr eigenes Opernhaus besitzen
wollten. In den ersten Jahren wechselte das Konzept
mehrmals. Erst wurde alles auf Italienisch aufgeführt
(sogar "Carmen" und "Lohengrin"),
dann musste alles auf Deutsch sein (sogar "Aida" und "Faust").
Erst später setzte sich durch, was heute selbstverständlich
erscheint: Alle Opern werden in ihrer Originalsprache
aufgeführt. Heutzutage stehen in jeder Spielzeit
mehr als 200 Opern auf dem Programm, die von mehr
als 800.000 Gästen besucht werden.
Im September 1966 zog das Ensemble vom Broadway
in neue Räumlichkeiten im Lincoln Center for
the Performing Arts, dem bedeutendsten und bekanntesten
Kulturzentrum der Stadt New York. Die Vorteile des
Umzugs ins neu erbaute Gebäude lagen klar auf
der Hand: Der Truppe stand bestes technisches Equipment
zur Verfügung, außerdem fanden 3.900 Gäste
im neuen Saal Platz. Das Lincoln Center liegt zwischen
der Columbus und Amsterdam Avenue und zwischen der
62. und 65. Straße in Manhattan's Upper West
Side. Neben der Met befinden sich im Lincoln Center
auch die Philharmonie und das State Theatre.
Von Beginn an verfolgten die Intendanten der Met
den Grundsatz, immer die berühmtesten und besten
Sänger der Welt zu engagieren. In den frühen
Jahren gehörte dazu Lilli Lehmann, die während
der deutschsprachigen Periode das Wagner Repertoire
dominierte. In den 1890er Jahren folgten Nellie Melba,
Emma Calvé und die Brüder Jean und Edouard
De Reszke. Im Jahr 1903 feierte Enrico Caruso als
Herzog in "Rigoletto" sein Debüt an
der Met. Bis zu seinem Tod 1921 stand er dort öfter
auf der Bühne als in allen anderen Opernhäusern
zusammen. In jüngerer Vergangenheit wurde Maria
Callas auf dieser Bühne gefeiert. Ihren ersten
Auftritt im berühmten Opernhaus hatte sie im
November 1956 in "Norma". Auch Plácido
Domingo und Luciano Pavarotti traten hier schon auf.
Nicht minder berühmt sind die Komponisten,
deren Werke hier uraufgeführt wurden. So feierten
mehrere Werke von Giacomo Puccini hier ihre Uraufführung,
unter anderem "La fanciulla del West" (Das
Mädchen aus dem goldenen Westen) im Dezember
1910 und "Il tabarro" (Der Mantel) im Dezember
1918. Wagners große Opern "Die Meistersinger", "Das
Rheingold", "Siegfried", "Götterdämmerung", "Tristan
und Isolde" und "Parsifal" erlebten
ihre ersten Aufführungen auf amerikanischen
Boden ebenfalls in der Met. Auch "Der Rosenkavalier", "Turandot" und "Boris
Godunow" feierten hier ihre Amerika-Premiere.
Zum großen Ruhm der Met trugen auch große
Dirigenten wie Gustav Mahler und Felix Mottl bei.
Für alle, die sich die Vorstellungen im Opernhaus
nicht anschauen können, bietet die Met einen
ganz besonderen Service: Bereits seit Weihnachten
1931 werden die Samstagnachmittag-Vorstellungen von
Dezember bis April live auf vielen Radiosendern der
USA und Canada übertragen. Das erste Stück,
das auf diese Weise ein deutlich größeres
Publikum erreichte, war die Oper "Hänsel
und Gretel" von Engelbert Humperdinck.
Ein weiteres Extra für die Gäste der Met
wurde 1995 eingeführt: Die "Met Titles",
ein einzigartiges System für Simultan-Übersetzungen.
In der Rückenlehne jedes Sitzes befindet sich
ein kleiner Bildschrim, der bei Bedarf genutzt werden
kann, bei Desinteresse aber nicht vom Bühnengeschehen
ablenkt. Zusätzlich besteht für schwerhörige
Besucher die Möglichkeit, sich kabellose Kopfhörer
vor Beginn der Vorstellung auszuleihen.
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